Vergangenes

Lesedauer: 3 Minuten

Ich bin gerade auf einem Workshop in einem anderen Standort meines Arbeitgebers. Sitze in einem Besprechungsraum, der durch eine gläserne Wand vom Foyer abgetrennt ist. Schaue etwas gelangweilt aufs Foyer als mich ein kalter Schauer erfasst. Ist es nur ein ähnliches Aussehen oder läuft hier gerade mein Vergewaltiger vorbei. Ich kann meinen Blick nicht mehr lösen, obwohl ich ihn längst erkannt habe und mit Gewissheit sagen kann, dass er es ist. Scheinbar hat er gerade auch einen Workshop. Er schaut recht beschäftigt aus. Nimmt mich nicht wahr, trotz meines immer noch festhängenden Blickes. Und selbst wenn, kann ich keine Reaktion in seinem Gesicht ablesen. Habe ich mich äußerlich so stark verändert seit unserer letzten Begegnung?

Das war gestern.
Seitdem bin ich angespannt, kann mich schwer konzentrieren und meine Gedanken kreisen. Auch heute ist er noch auf dem Workshop. Wir hatten mittlerweile mehrere solcher einseitigen Begegnungen, eine Situation in der wir uns tatsächlich über den Weg laufen und zumindest ein genauerer Blick seinerseits erfolgen würde gab es nicht. Unsere beiden Workshops haben unterschiedliche Pausenzeiten, und Verpflegungsstationen.Dennoch bin ich ständig in Bereitschaft ein neutrales Hallo zu erwidern sollte es zu einer entsprechenden Situation kommen.Jedem Schritt wiegt ein vorausschauender Blick bei. Im Hotel schaue ich mich bei betreten des Frühstücksbereichs um. Gleichzeitig sehe ich mich vor meinem inneren Auge, wie ich mich mit ihm unterhalte, erzähle ihm die letzten Stationen meiner Karriere und aktuelle Ziele und Pläne. Möchte von ihm gelobt werden und vielleicht eine Einschätzung von ihm. Schließlich war er auch mal mein Freund und erfüllte aufgrund des Erfahrungsvorsprungs die Funktion eines Zuhörers und Berater. Aber nun einmal von Anfang an.

Es war mein erstes Jahr in der Firma. Oktoberfest. Eine ehemalige Kommilitonin stellt mir ihren Teamleiter vor. Wir verstehen uns auf Anhieb blendend. Wir landen bei mir zuhause, zum kuscheln, eine Bedingung an die er sich hält. Daraufhin entwickelt sich mehr zwischen uns. Ein paar Dates und entdecken gemeinsam Neues. Nach einer Weile stelle ich fest, dass wir unterschiedliche Vorlieben haben, ich bin hartem Sex nicht abgeneigt, versuche aber stets die Kontrolle zu haben, was er nicht zulässt.

Da er mir mittlerweile ans Herz gewachsen ist treffe ich mich weiterhin mit ihm, genieße die Zeit mit ihm und unsere Gespräche, vermeide aber aufkommende körperliche Nähe. Keine gemeinsamen Nächte. Doch dann verbringen wir noch eine letzte Nacht. Beide hatten wir am Gleichen Tag Geburtstag und verbrachten diesen gemeinsam. Ein Essen, 2 Gläser Sekt, Geschenke und eine gemeinsame Nacht. Ich dachte an kuscheln, wie in unserer ersten Nacht, genau das wonach ich mich sehnte. Er offenbar nicht.

Sehr schnell realisierte ich was ihm vorschwebte. Ich versuchte ihm klar zu machen, dass ich das nicht will, schob seine grobe Hand mehrfach weg, die sich trotzdem ihren Weg suchte. Meine Brüste, mein Intimbereich blieben nicht verschont. Ich sagte NEIN, nicht nur einmal, doch meine Worte erreichten ihn nicht. Irgendwann hörte ich auf mich zu wehren und meine Beine aneinander zu drücken, die er aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit problemlos auseinander drücken konnte. Er hatte er sich mittlerweile ohnehin schmerzhaft seinen Weg gebahnt, versuchte mich zu fisten, und fickte mich schließlich.

Danach habe ich einen Filmriss, nicht auf Grund von Alkohol sondern da ich dieses Ereignis verdrängt habe. Ich weiß nicht, ob ich gleich oder morgens ging, ich weiß nur, dass ich erstmal keinen Kontakt mehr mit ihm hatte.

Nachdem er die Firma verlassen hatte erzählte ich meiner Kommilitonin von dieser Nacht. Irgendwann erhielt ich eine Benachrichtigung von Xing, er hat einen neuen Job, wieder bei meinem Arbeitgeber. Auf der Weihnachtsfeier läuft er mir über den Weg. Ich konfrontiere ihn mit meiner Einschätzung unserer letzten gemeinsamen Stunden, die nun schon 2 Jahre zurückliegen. Er sagt, er habe es nur getan, weil ich darauf stehe. Ein Nein habe er nicht gehört. Keine Entschuldigung.

Weiterhin haben wir keinen Kontakt, bis heute.

Es geht mir Nutellabrot schlecht

Lesedauer: 2 Minuten

Hier ein Text, den ich vor einigen Jahren geschrieben habe, ich steckte in einer sehr frustrierenden Situation fest und musste wählen zwischen Kämpfen oder Aufgeben. Seine Grenzen zu akzeptieren kann einem große Schwierigkeiten machen, danach geht es aber irgendwann wieder besser.
Ich teile das hier, damit ihr mehr über mich erfahren könnt.

Ich fühle mich grauenhaft.

Sobald ich alleine bin, ist es nicht mehr auszuhalten, auch davor ist es nur unwesentlich angenehmer allerdings bin ich dann wenigstens teilweise abgelenkt, und denke nicht darüber nach warum ich heute nicht mehr leben will.

Das einzige was in solchen Momenten hilft ist genießen, und solange ich das noch will und kann ist zumindest meine Welt noch nicht ganz untergegangen.

Ich liebe den Genuss, und manchmal ist eben das, das einzige was mich glücklich macht. Ich liebe den Geschmack einer frischen Scheibe Brot. Am besten mit Butter und Nutella, soviel Nutella dass danach die Hände klebrig sind, und ich den Rest vom Tag mit Nutellaflecken im Gesicht rumlaufen kann. Um zu demonstrieren, dass ich mich gehen lasse, werde ich diese Nutellaflecken erst unmittelbar vor dem zu Bett gehen beseitigen, ein klebriges Bettlaken will ich dann doch nicht haben.

Ganz schlimm ist es aber wenn mein Überlebenswille nichtmal mehr so groß ist mir diese Genußmittel zu besorgen. Ich mir nicht ausmalen, was dann passieren könnte. Ich halte nichts von Vorratshaltung, ich kaufe etwas weil ich es brauche, und wenn etwas im Haus ist so wird es aufgebraucht. Somit muss ich von Tag zu Tag hoffen, dass das Brot, die Nutella und die Butter noch in ausreichender Menge vorhanden sind, und ich nicht vergesse neue zu besorgen.

Sonst

Was sonst?

Im Moment will ich nicht mehr leben.

Was allerdings nicht bedeutet, dass ich sterben will. Nicht mehr leben heißt einfach weg sein, von einem auf den nächsten Moment. Ohne diesen ganzen Weg dahin, ohne Gedanken über Selbstmord, Abschied und die Kraft es auch durchzuziehen, gepaart mit der Angst „gerettet“ zu werden. Ich will weg sein, ohne all das.

Warum das alles?

Ich habe es satt. Was ich auch immer noch so tolles erleben könnte, ich will nicht mehr warten.

Ich bin es leid, den Mann zu finden, der meinen Ansprüchen genügt, und dann auch noch etwas für mich empfindet. Der die gleiche Leidenschaft hat und bereit für ein uns ist.

Ich bin es leid, daran zu glauben irgendwann glücklich zu sein. Wenn es in der Natur des Menschen liegt das herauszupicken, was einen im Moment grade unzufrieden macht.

Ich bin es leid mich im Spiegel anzuschauen und dick zu finden, während ich mich nicht aufraffen kann mehr Sport zu treiben. Und klar, auf dieses Nutellabrot kann ich ja auch nicht verzichten.